Werden die traditionellen Geisteswissenschaften das 21.Jahrhundert überleben?

Das Studium der Geisteswissenschaften eignet sich für viele Studenten, die ein einschlägiges Interesse an der Lehre des Lebens besitzen. Von Soziologie über Anthropologie bis hin zur Literaturgeschichte und anderen Fächern – die Geisteswissenschaften sind vielfältig und attraktiv. In den Köpfen vieler Menschen aber scheint es, als würde immer weniger Platz für diese Studienfächer zur Verfügung stehen und gar vom Aussterben bedroht sein. Wir haben uns einmal die Zeit gegeben, uns die Thesen für das Für und Wider anzuschauen, um herauszufinden, ob die traditionellen Geisteswissenschaften tatsächlich für das 21.Jahrhundert geschaffen sind.

Um zu verstehen, woran ein etwaiges Problem diesbezüglich liegen kann, müssen wir uns einmal die allgemeine Lage an den Universitäten anschauen. Nach neuesten Zahlen der Bertelsmann-Stiftung haben wir weniger Studienabbrecher und allgemein mehr Menschen, die eine akademische Lehre in Betracht ziehen. Das bedeutet also mehr Menschen an den Unis. Viele der Jobs, die früher ohne Uniabschluss durchgeführt werden konnten werden mittlerweile an Unis und anderen Hochschulen gelehrt, dies macht die Konkurrenz ein wenig höher. Um später einen Job zu bekommen mit dem man überleben und leben kann – und den man auch wirklich mag – muss man sich also mit einem viel größeren Pool an Menschen konkurrieren. Die Geisteswissenschaften an sich sind seit jeher nicht dafür bekannt, dass man in ihren Fächern nach den Abschlüssen zu den hohen Gehältern kommen kann. In den traditionellen Fächern lebt man hierbei eher das Ideelle aus und weniger das Monetäre. Das kann dazu führen, dass viele der Studienfächer in den kommenden Jahren und Jahrzehnten langsam obsolet werden. Nehmen wir zum Beispiel Anthropologie, das Fach der Menschenkunde. Dieses Fach hat sich in den vergangenen Jahren von der Theorie hin zu den angewandten Wissenschaften entwickelt, da ihr ganz klassischer Ansatz – die soziale Erforschung von Menschengruppen – immer stärker eingegrenzt wird. Wir entdecken halt keine neuen Stämme die von der Außenwelt abgeschnitten leben. Dieses Fach wird sich also weiter an die neuen Umstände anpassen müssen. Andere klassische Fächer aus den Geisteswissenschaften haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und arbeiten bereits daran, sich zukunftsfähiger aufzustellen. Durch die akademische Verwässerung vieler Fächer nach dem Bologna-Abkommen werden mehr und mehr Fächer erst mit einem Masterstudium wirklich anerkannt und wichtig. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Studenten der Geisteswissenschaften erst nach mindestens 5 Jahren Studium anfangen können, sich um die wenigen freien Plätze in der Berufswelt zu streiten. Dies hat zur Folge, dass auch der Kampf an der Spitze immer heftiger wird. Viele Studenten suchen sich daher Fächer aus, mit denen man in der Berufswelt mehr Chancen hat, sei es ein Wirtschaftsstudium, Datenverarbeitung oder Marketing. In diesen Fächern finden sich mittlerweile auch mehr und mehr Inhaltsstoffe aus den Geisteswissenschaften. Es ist also sehr gut möglich, dass die traditionellen Fächer im 21.Jahrhundert aussterben, sich verändern oder von anderen Programmen geschluckt werden.