Theorie oder angewandte Wissenschaften – was ist mehr für dich?

Nach dem erfolgreichen Abitur stellt sich häufig die Frage, was danach kommt. Für viele Menschen ist die logische Antwort: ein Studium. Oft wissen die Leute bereits, was sie studieren wollen oder was später auf dem Arbeitsmarkt am meisten Chancen auf eine gute Stelle bringt. Aber manchmal fällt die Entscheidung über das Fach ein wenig schwerer und man weiß nicht so recht, wie man die Zukunft angehen soll. In solchen Fällen hilft es immer ein wenig, sich an die eigenen Tugenden zu wenden. Woran ist man gut? Wie gerne arbeitet man im Team? Wo sehe ich mich in 10 Jahren beruflich? Wir haben uns mal das Für und Wider von traditionellen Unis – welche sich auf Vorlesungen und Hausarbeiten konzentriert – und den eher praxisorientierten Unis der angewandten Wissenschaften angeschaut, um euch bei diesem Problem ein wenig helfen zu können.

Unis, an denen die meiste Zeit mit Vorlesungen und Hausarbeiten verbracht wird haben einen großartigen Ruf, man denke nur mal an Oxford, Harvard und die vielen anderen ausgezeichneten akademischen Institutionen der Welt, in denen viele der klügsten Personen ausgebildet wurden. Abgesehen von den vielen Seminaren, in denen viel Wert auf Kommunikation und Debattierfreude gelegt wird, sind diese Arten von Unis eher auf die selbstständige Arbeit und Forschung ausgelegt. Man sitzt entweder in den Vorlesungsräumen oder in der Bibliothek oder daheim – immer mit Buch oder Laptop vor sich. Es wird eine Menge Zeit für das Lesen von Büchern und Artikeln verwendet, um am Ende des Semesters die Hausarbeit mit einer guten Note bestehen zu können. Gemeinschaftliche Arbeiten werden hierbei seltener vorgenommen. In dieser Art von Uni lernen die Studenten oft für akademische Jobs in der Forschung oder anderen hochwertigen Stellen, in denen Alleinstellungsmerkmale von wichtiger Bedeutung sind. Allerdings sind hier die Kontaktpunkte mit anderen Studenten ein wenig im Hintergrund und werden höchstens in verschiedenen Gruppen jenseits der Vorlesungen geformt.

Unis die sich auf die angewandten Wissenschaften konzentrieren sind oft eher praxisorientiert als die Obengenannten. Hier lernt man auf einem akademischen Level für jene Berufe, die später eher mit Menschen und Kommunikation zu tun haben. Hausarbeiten und Vorlesungen kommen zwar auch hier vor, sind aber seltener und werden eher durch Seminare und Unterrichtsstunden – wie aus der Schule bekannt – ersetzt. Hier können die Studenten eher im Austausch mit den Professoren und anderen Dozenten sein, um ihr Wissen aktiv anzuwenden. Dadurch formen sich auch mit den Kommilitonen schneller Freundschaften die lange halten. Diese Unis konzentrieren sich auf aktive Berufe des wahren Lebens, wie etwa die freie Wirtschaft, Marketing oder das Management. Unis mit den angewandten Wissenschaften haben oft Menschen aus dem echten Leben als Dozenten, die alteingesessenen Professoren werden eher in den Vorlesungen der anderen Uni gefunden.

Beide Uniarten haben natürlich ihre Vor- und Nachteile. Zu wissen, was man studieren will und wie man sich selbst einschätzt hilft oft schon dabei, die konkreten Ziele für die kommenden Jahre zu wählen.

Werden die traditionellen Geisteswissenschaften das 21.Jahrhundert überleben?

Das Studium der Geisteswissenschaften eignet sich für viele Studenten, die ein einschlägiges Interesse an der Lehre des Lebens besitzen. Von Soziologie über Anthropologie bis hin zur Literaturgeschichte und anderen Fächern – die Geisteswissenschaften sind vielfältig und attraktiv. In den Köpfen vieler Menschen aber scheint es, als würde immer weniger Platz für diese Studienfächer zur Verfügung stehen und gar vom Aussterben bedroht sein. Wir haben uns einmal die Zeit gegeben, uns die Thesen für das Für und Wider anzuschauen, um herauszufinden, ob die traditionellen Geisteswissenschaften tatsächlich für das 21.Jahrhundert geschaffen sind.

Um zu verstehen, woran ein etwaiges Problem diesbezüglich liegen kann, müssen wir uns einmal die allgemeine Lage an den Universitäten anschauen. Nach neuesten Zahlen der Bertelsmann-Stiftung haben wir weniger Studienabbrecher und allgemein mehr Menschen, die eine akademische Lehre in Betracht ziehen. Das bedeutet also mehr Menschen an den Unis. Viele der Jobs, die früher ohne Uniabschluss durchgeführt werden konnten werden mittlerweile an Unis und anderen Hochschulen gelehrt, dies macht die Konkurrenz ein wenig höher. Um später einen Job zu bekommen mit dem man überleben und leben kann – und den man auch wirklich mag – muss man sich also mit einem viel größeren Pool an Menschen konkurrieren. Die Geisteswissenschaften an sich sind seit jeher nicht dafür bekannt, dass man in ihren Fächern nach den Abschlüssen zu den hohen Gehältern kommen kann. In den traditionellen Fächern lebt man hierbei eher das Ideelle aus und weniger das Monetäre. Das kann dazu führen, dass viele der Studienfächer in den kommenden Jahren und Jahrzehnten langsam obsolet werden. Nehmen wir zum Beispiel Anthropologie, das Fach der Menschenkunde. Dieses Fach hat sich in den vergangenen Jahren von der Theorie hin zu den angewandten Wissenschaften entwickelt, da ihr ganz klassischer Ansatz – die soziale Erforschung von Menschengruppen – immer stärker eingegrenzt wird. Wir entdecken halt keine neuen Stämme die von der Außenwelt abgeschnitten leben. Dieses Fach wird sich also weiter an die neuen Umstände anpassen müssen. Andere klassische Fächer aus den Geisteswissenschaften haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und arbeiten bereits daran, sich zukunftsfähiger aufzustellen. Durch die akademische Verwässerung vieler Fächer nach dem Bologna-Abkommen werden mehr und mehr Fächer erst mit einem Masterstudium wirklich anerkannt und wichtig. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass Studenten der Geisteswissenschaften erst nach mindestens 5 Jahren Studium anfangen können, sich um die wenigen freien Plätze in der Berufswelt zu streiten. Dies hat zur Folge, dass auch der Kampf an der Spitze immer heftiger wird. Viele Studenten suchen sich daher Fächer aus, mit denen man in der Berufswelt mehr Chancen hat, sei es ein Wirtschaftsstudium, Datenverarbeitung oder Marketing. In diesen Fächern finden sich mittlerweile auch mehr und mehr Inhaltsstoffe aus den Geisteswissenschaften. Es ist also sehr gut möglich, dass die traditionellen Fächer im 21.Jahrhundert aussterben, sich verändern oder von anderen Programmen geschluckt werden.

Erleben die angewandten Wissenschaften eine unsichtbare Revolution?

In unseren heutigen Zeiten ist es zweifelsfrei wichtig, in eine gute Ausbildung zu investieren um in der Zukunft gute Chancen auf einen interessanten und guten Job zu haben. Viele Menschen entscheiden sich dabei für eine akademische Ausbildung, mit Bachelor und Master. Je nachdem welche Fächer infrage kommen, besteht die Wahl zwischen Recherche Universitäten, in denen man Vorlesungen und Hausarbeiten hat, oder Universitäten der angewandten Wissenschaften, bei denen der Fokus stärker auf Gruppenarbeit und reellen Aufgaben liegt. Es scheint, als würden die Unis der angewandten Wissenschaften aktuell eine Art Neuerfindung durchmachen, da sie immer stärker von Studenten besucht werden. Dies hängt auch damit zusammen, dass diese Unis eher jene Studienfächer anbieten, mit denen man später in der freien Wirtschaft leichter Arbeit finden kann. Aufgrund ihrer Praxisnähe sind diese Unis prädestiniert darauf, den Studenten eine gute Ausbildung mit echten Arbeitsfällen bieten zu können. Die Angewandten Wissenschaften sind dabei auch noch recht neu auf der akademischen Landkarte und haben tatsächlich erst im 21.Jahrhundert so richtig an Fahrt aufgenommen. Da immer mehr Menschen in die Unis strömen bieten sie gute Möglichkeiten, in einem akademischen Umfeld zu lernen und gleichzeitig das „reale Leben“ zu verstehen. Die Dozenten sind dabei oft nicht immer nur Doktoren und Professoren, die sich in jahrelanger Recherche ihre Titel verdient haben, sondern es sind oft Menschen, die im Alltag auch anderen Berufen nachgehen. Dadurch erfahren die Angewandten Wissenschaften einen echten Hype – Menschen mit Erfahrung aus dem echten Leben lehren jene, die diese Erfahrung suchen.
Was die Unis zusätzlich noch interessanter macht sind ihre vielfältigen Angebote, auch jenseits der Vorlesungsräume. Hier werden Möglichkeiten geschaffen, um das Erlernte auch schnell anzuwenden, um es nachhaltiger zu festigen. Universitäten mit den Angewandten Wissenschaften berufen sich nicht auf eine jahrzehntelange Tradition, sondern gehen eher unkompliziert an die Dinge heran. Zudem sind sie leichter in ihren Aufnahmeprozessen und bieten daher attraktive Alternativen für jene Menschen, die kein Interesse an Recherche Universitäten haben. Vielleicht der größte Pluspunkt bei den Unis mit angewandten Wissenschaften aber ist ihre Flexibilität. Man kann sich den eigenen Stundenplan so anordnen, dass man auch nebenbei noch arbeiten gehen kann, also dual zum Studium vielleicht schon das erlernte Wissen direkt in die Praxis anwenden kann. Viele Jobausschreibungen haben ja die Vorgabe, dass die Kandidaten bereits Praxiserfahrung für den Job mitbringen sollten, um überhaupt eine Chance zu bekommen. Dies ist durch das Lehrmodell bei diesen Unis eher gegeben als bei den traditionellen Universitäten. Man kann daher durchaus behaupten, dass sich die Universitäten mit den Angewandten Wissenschaften in den vergangenen Jahren von einer grauen Maus zu einer ernstzunehmenden Alternative in der akademischen Welt gemausert hat. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird und ob die unsichtbare Revolution eines Tages auch reell sichtbar sein wird.